Beste Nation nicht nur im Skifahren



Drei Gold- und sechs Silbermedaillen - diese Bilanz kennt man aus dem Sportteil, doch auch in anderen Disziplinen können sich österreichische Vertreter sehen lassen: Bei der diesjährigen Berufsweltmeisterschaft in Montreal kämpften Teilnehmer aus 34 Ländern in 41 Berufen um die besten Plätze. Beachtliche neun von 18 österreichischen Teilnehmern brachten eine Medaille mit nach Hause. Einziger Wermutstropfen: In vielen zukunftsorientierten Berufen wie Graphic Design oder Netzwerktechnik gab es keine Medaillen, oft mangels Teilnehmern. Doch immerhin, das Team erreichte die höchste durchschnittliche Punktezahl aller Länder. Ein Beweis für die hohe Qualität der heimischen Ausbildung, finden die Vertreter der Wirtschaftskammer und verweisen auf das steigende internationale Interesse am "dualen System".

Lehre vs. Anlernen

Ein Vergleich der internationalen Berufsausbildungssysteme zeigt drei Gruppen:

Länder wie Frankreich, Holland und Italien setzen auf Schulen: Nach einer längeren allgemeinen Ausbildung folgt eine kurze, intensive Berufsausbildung in Form von Kursen. "In der Schule hat man das Problem, Situationen simulieren zu müssen", gibt Georg Piskaty, Leiter der Bildungspolitik der Wirtschaftskammer, zu bedenken. "Der Aspekt der Sozialisierung im Betrieb fehlt, so ist es bei einem Kellner beispielsweise nicht nur wichtig, gewisse Dinge zu wissen, er muss auch mit Gästen umgehen können."

Deshalb versucht man in Ländern wie Deutschland, Österreich, der Schweiz und Dänemark einen Mittelweg zu gehen: Die Ausbildung ist eine Kombination aus praktischer Tätigkeit im Unternehmen und theoretischem Unterricht in der Berufsschule. Dies hat allerdings zur Folge, dass die Jugendlichen schon sehr früh, ab etwa 15 Jahren, im Berufsleben stehen. Dafür sei aber die Ausbildung immer "am Ball", so Piskaty, die Lehrlinge agieren von Anfang an direkt am Markt.

In Ländern wie den USA, Kanada und England gibt es gar kein Pendant zur Lehre, hier wird die Arbeit von gut ausgebildeten Führungskräften so genormt, dass Mitarbeiter in kurzer Zeit für den jeweiligen Handgriff angelernt werden können. "Das geht im Normbetrieb gut", warnt Piskaty, "aber die Mitarbeiter sind nicht flexibel, wenn einmal etwas nicht nach Plan läuft, da sie keinen Einblick in die Zusammenhänge haben.

Erste Versuche

Bisher profitierte Nordamerika von den vielen gut ausgebildeten Einwanderern aus Europa, sie machten den Mangel an eigenen Fachkräften wett. Da dieser Zustrom aber stark nachgelassen hat, gehen die ersten Unternehmen nun selbst daran, Ausbildungssysteme zu entwickeln.

Eine Vorreiterrolle hat der kanadische Autozulieferkonzern Magna übernommen, ein eigenes Ausbildungszentrum sorgt für technischen Nachwuchs. Aus Europa wurde das Ausbildungs-Know-how geholt, aus Amerika der Management-Ansatz: Das Zentrum ist ein Profit-Center und muss sich am (internen) Markt beweisen, nur wenn die unterschiedlichen Unternehmen des Konzerns mit der kostenpflichtigen Ausbildung der Einsteiger zufrieden sind, werden sie die Leistung in Anspruch nehmen.

Auch andere Unternehmen arbeiten derzeit an eigenen Lösungen, um ihre WM Quoten zu steigern, denn die Nachfrage nach Fachkräften mit Hintergrundwissen steigt. Trotzdem dürfte es noch eine Weile dauern, bis Kanada, dessen 32 WM-Kandidaten sich heuer mit zwei Bronzemedaillen begnügen mussten, zu Ländern wie Deutschland und Österreich aufschließen kann.

Aber die nächste WM, und somit die nächste Chance zur Revanche, kommt bestimmt!


    Home
    weltmeister
    Wachstum
    auslandspraktikum
    beratung
    handheld
    handheld2
    index
    nachwuchs
    wetteinsatz
    wettgewinn
    zum-ersten
    leistung
    idee