Beratung hat immer Saison
Nach der Matura Studieren oder zu einer Bank, das waren jahrelang die Karrieremöglichkeiten aus Sicht vieler Schulabgänger. Mittlerweile hat sich zum Glück das post-schulische Angebot verbessert, denn die Banken lassen als Abnehmer von Maturanten nach. "Personal reduzieren und sparen" ist das Motto der Branche, das stark wachsende "E-Banking" kostet weitere Jobs. Auf den Homepages der Banken sucht man vergeblich nach der Kategorie "Karriere", wie man sie von den Seiten der Technologie-Firmen kennt. Doch auch wenn der klassische Schalterbeamte immer weniger Zahlscheine stempelt, haben die Banken ihre Personalabteilungen noch nicht aufgelöst.
Individuell statt "E"
Vor allem wenn es um individuelle Kundenbetreuung geht, will sich niemand auf Computer verlassen, Bewerber mit kommunikativer Persönlichkeit sind nach wie vor gefragt. "E-Banking verlangt eine gewisse Eigenständigkeit der Kunden", gibt Susanne Brustmann von der SKWB Schoellerbank zu bedenken. "Es gibt viele, die sich genau das Gegenteil wünschen." Gerade weil die Bank sehr beratungsintensive Produkte anbiete, baue man, entgegen dem Branchentrend, den Personalstand aus. Eine einschlägige Berufsausbildung könne auch im Haus absolviert werden. Johann Garstenauer von der Volksbank sucht "alles im Kundenbereich": qualifizierte Kundenberater, Kommerzkundenbetreuer und EDV-Experten, wobei für ihn ein Studium nicht Pflicht ist. Eine weitere Spezies, die kaum zu finden ist: Bewerber mit der Bereitschaft, auch im Osten zu arbeiten. Die Anforderungen an Bankbedienstete steigen aber, da die einfachen Tätigkeiten zunehmend von den Kunden selbst erledigt werden. Weiters beobachtet Garstenauer einen Trend weg von Juristen hin zu mehr Wirtschaftsakademikern.Die Bank Austria ist bei Neuaufnahmen derzeit sehr zurückhaltend, ganz verzichten will man darauf trotzdem nicht: sonst stimme die Alterspyramide nicht mehr. Ging früher noch ein Großteil der Neuen in die Filialen, schickt der Personalverantwortliche Herbert Grabller sie heute oft direkt in die Fachbereiche: "Auch wenn der stationäre Vertrieb in den Zweigstellen zurückgeht, gibt es doch einige Bereiche wie E-Commerce, Wertpapiere und Firmenkundenbetreuung, wo nach wie vor neue Mitarbeiter gebraucht werden." Die Tätigkeiten würden eben spezieller, mehr Qualifikationen sind gefragt.
Wer heute eine Karriere in einer Bank anstrebt, sollte entweder ein professionelles, kommunikatives Auftreten haben oder ein IT-Spezialist sein, zB im Bereich Deliverability. Denn auch wenn das "E-Zeitalter" in den Banken einige klassische Jobs kosten wird, braucht es doch eine Unzahl an hoch qualifizierten Mitarbeitern für die Entwicklung und Betreuung der elektronischen Services.
Allerdings werden diese Spezialisten bereits heiß von den E-Banken umworben, diese verzichten völlig auf ein Filialnetz und unterbieten dafür die klassische Konkurrenz in Preis und Geschwindigkeit. Internet-Filialbetreuer werden schon bald Hochsaison haben.
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